Wenn du einen kleinen Sprung zurรผck in deine Kindheit machen mรถchtest, kรถnnte diese Kakao-Kokosmilch-Pudding meiner Mutter genau das Richtige sein. Einfach, ehrlich und direkt aus dem Familienrezeptbuch.
Die Kakao-Kokosmilchcreme erinnert mich an die Kakaocreme meiner Mutter, die sie damals โ und eigentlich bis heute โ einfach โPuddingโ nannte. Es war eines jener schnellen und unkomplizierten Desserts, die sie fรผr uns zubereitete, um uns eine Freude zu machen. Die Creme aus Kakao und Milch servierte sie nicht in kleinen Schรคlchen, sondern auf Desserttellern. Manchmal legte sie vorher einen einfachen Keks, รคhnlich einem Marie-Keks, auf den Boden โ wie eine kleine รberraschung.
Es war gewissermaรen ein Pudding โaus dem Tellerโ: praktisch fรผr Kinder und ebenso fรผr eine berufstรคtige Mutter, die sich zugleich um Haushalt und Familie kรผmmerte. Dieses Dessert gehรถrt zu meinen Kindheitserinnerungen und zu den Rezepten unserer Familie โ und auch wenn es sehr schlicht ist, verbleibt es bis heute bedeutungsvoll.

รber die Entstehung von Rezeptbรผchern
Zurzeit lese ich ein Buch รผber Kulturgeschichte, genauer gesagt รผber die Geschichte der italienischen Kรผche (Montanari/Capatti). Es bringt mich dazu, รผber die Kรผche dieses Landes, รผber Ernรคhrung und auch รผber diesen Foodblog nachzudenken. Gestern Abend las ich das Kapitel รผber eine besondere literarische Form: das Rezeptbuch. Da dieses Genre einen groรen Teil meines Alltags und meiner Kreativitรคt ausmacht โ Rezepte, Kochen, Zutaten, Produkte โ erscheint es mir wichtig, auch etwas รผber seine Geschichte zu wissen.
Es รผberrascht kaum, dass das Wort โRezeptโ ursprรผnglich nicht ein Gericht bezeichnete, sondern eine รคrztliche Verschreibung fรผr Apotheker. Erst ab dem 15. Jahrhundert begann man damit auch Kochrezepte zu meinen. Die alten Rezeptbรผcher unterschieden sich deutlich von den heutigen: Sie enthielten nicht nur Kochrezepte im engeren Sinne, sondern auch Anleitungen fรผr Sรผรwaren, Konserven oder Destillation. Vor allem aber gaben sie Ratschlรคge zur Haushaltsfรผhrung, Hygiene, Haushaltsรถkonomie und manchmal sogar zu passenden Weinen.
รber Jahrhunderte hinweg richteten sich diese Bรผcher nicht nur an Hofkรถche oder spรคter an bรผrgerliche Familien, sondern auch an Menschen, die den Alltag eines Hauses organisierten. Interessant ist dabei, dass sowohl die Verfasser als auch die Leser lange Zeit รผberwiegend Mรคnner waren โ Kรถche, Hausherren, Verwalter. Erst im 19. Jahrhundert, mit der zunehmenden Alphabetisierung von Frauen, begannen auch Frauen Rezeptbรผcher zu lesen und zu schreiben.
Die Kรผche bewegt sich bis heute zwischen zwei Bildern: auf der einen Seite der hรคusliche Raum, den man traditionell mit Mutter, Groรmutter oder Hausfrau verbindet, und auf der anderen Seite die Welt der groรen Kรผchen und Restaurants, die noch immer stark mรคnnlich geprรคgt ist.
Im selben Jahrhundert erschienen auch die ersten Frauenzeitschriften. Man begann, Rezepte auszuschneiden, in Hefte einzukleben oder handschriftlich zu sammeln โ etwas, das zuvor kaum denkbar gewesen wรคre, da Rezeptbรผcher kostbar und luxuriรถs waren. Der eigentliche Boom der Kochbรผcher kam erst im 20. Jahrhundert.
Sind ein Rezeptbuch und ein Foodblog dasselbe?
Ich dachte dabei an heute, an diesen Blog โ ebenfalls eine Art Rezeptbuch, aber zugleich auch ein Tagebuch. Im Vergleich zu historischen Rezeptbรผchern ist er zugรคnglich: ein Kind der digitalen Gegenwart. Vielleicht ist der Foodblog sogar eine neue, noch sehr junge literarische Form. Zugleich besitzt er etwas Flรผchtiges, weil man ihn nur mit den Augen berรผhrt.
Obwohl ich blogge, obwohl das Internet meinen Alltag prรคgt und obwohl mir ein nachhaltiger Lebensstil wichtig ist, gehรถre ich doch zu den Menschen โ oder vielleicht zu einer Generation โ, die noch eine emotionale und sinnliche Verbindung zum Papier haben: zum Geruch neuer und alter Bรผcher, zur Haptik der Seiten, die mit den Jahren weicher werden, zu den Gebrauchsspuren, die selbst Geschichten erzรคhlen kรถnnen. Vielleicht suche ich deshalb Bรผcher bis heute zuerst gebraucht.
Zu Hause bewahre ich die Rezepthefte meiner beiden Groรmรผtter auf, und ich kenne das meiner Mutter genau. Es ist ein groรes blaues Heft, voller ausgeschnittener Rezepte, die mit vergilbtem Klebeband eingeklebt wurden. Manche Seiten tragen Fettflecken oder Spuren von Teig, andere haben durch hรคufiges Blรคttern abgerundete Ecken bekommen.
Vor einigen Jahren versuchte meine Schwester, dieses Heft als Geschenk fรผr unsere Mutter โneuโ zu gestalten โ mit einem schรถneren, moderneren Notizbuch. Ohne groรen Erfolg. Denn die Gewohnheit und das Herz meiner Mutter hรคngen an diesem alten blauen Heft, das inzwischen fast auseinanderfรคllt.
Und ich verstehe sie gut. Genau dieses Heft lag vor mir, wenn ich ihr beim Backen half und meine ersten Rezepte ausprobierte. Es begleitet meine ersten Schritte in der Kรผche. Und auch ich โ vielleicht ein wenig zu nostalgisch โ hรคnge an diesem Stapel vergilbter Seiten.
Meine Version der Kakao-Kokosmilchcreme
Der Kakao-โPuddingโ meiner Kindheit gehรถrt bis heute zu meinen schรถnsten Erinnerungen an den Familientisch. Spรคter habe ich andere Lรคnder bereist, verschiedene Kรผchen entdeckt und gelernt, dass es neben Kuhmilch auch Kokosmilch gibt. Das begann mit der indischen Kรผche und ihren Currys, die ich sehr lieben gelernt habe.
Warum also nicht das Rezept meiner Mutter ein wenig verรคndern? Der nostalgische Faden zur Kindheit bleibt bestehen, doch wie bei vielen Dingen im Leben kommen neue Erfahrungen hinzu, ohne die alten Schรคtze zu verlieren.ย Dabei musste ich an einen Satz von Friedrich Nietzsche denken:
โDie Reife des Menschen bedeutet: den Ernst wiedergefunden zu haben, den man als Kind beim Spielen hatte.โ
Im Grunde musste ich nur die tierische Milch durch eine pflanzliche ersetzen. Kokosmilch kann unterschiedlich viel Wasser enthalten; fรผr diesen Kakao-Pudding habe ich eine eher cremige Variante mit hohem Kokosanteil verwendet, die ich wegen ihres volleren Geschmacks bevorzuge. Weitere Desserts wie Cremes, Puddings oder Eis findest du ebenfalls unter meinen Rezepten.

Kokos-Schokoladen-Pudding
Zutaten
- 400 ml Kokosmilch 55 % Fett
- 4 Teelรถffel Kokosmehl
- 2 Eigelb
- 70 g Zucker
- 10 g Kartoffelstรคrke
- 25 g Kakaopulver
- 1 Teelรถffel Vanilleextrakt
Anleitungen
- Kokosmilch und Kokosmehl in einem kleinen Topf oder in der Mikrowelle erwรคrmen.
- In einem Topf das Eigelb mit dem Zucker verrรผhren, dann die Kartoffelstรคrke und den Kakao hinzufรผgen und gut verrรผhren, damit keine Klรผmpchen entstehen.
- Etwas von der warmen Milch und den Vanilleextrakt hinzufรผgen und alles gut vermengen.
- Die restliche Kokosmilch hinzufรผgen, bis eine homogene Creme entsteht.
- Den Topf auf niedrige Hitze stellen und die Creme unter Rรผhren 15โ20 Minuten lang kochen lassen, dabei langsam zum Kochen bringen. Die Creme wird immer dickflรผssiger. Vom Herd nehmen, sobald sie leicht zu kรถcheln beginnt.
- Die Kakaocreme in Schรคlchen (oder auf Teller!) fรผllen und abkรผhlen lassen, dann in den Kรผhlschrank stellen.
- Nach Belieben mit Keksen wie Zungenkeksen, Marie-Keksen oder Waffeln servieren.



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